Logo
bild-infocenter
Basenkur

Aktionsplan ''Fit statt fett'': Regierung entwickelt Programm gegen Übergewicht


Regierungserklärung zum Fünf-Punkte-Aktionsplan

Seehofer will Übergewichtige bewegen

Verbraucherschutzminister Horst Seehofer wirbt für eine konzertierte Aktion gegen die zunehmende Fettleibigkeit der Deutschen. "Prävention ist immer noch bekanntlich die beste Medizin", sagte Seehofer im Bundestag in einer Regierungserklärung zum nationalen Aktionsplan gegen Übergewicht.

Da bislang trotz aller Initiativen keine Trendwende eingetreten sei, sollten die lokalen Projekte nun vernetzt werden, um allgemeine Qualitätsstandards erreichen zu können. Schließlich sei Übergewicht mitverantwortlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, deren Behandlung pro Jahr 70 Milliarden Euro kosteten.

 

Dick werden vor dem Computer oder Fernseher

wage.jpg[Bildunterschrift: 40 Millionen Deutsche haben zuviel auf der Waage]
In Deutschland sind nach Regierungsangaben rund 37 Millionen Erwachsene sowie zwei Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig oder fettleibig. Daher hatte das Kabinett gestern auf Initiative von Seehofer und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt das Eckpunktepapier "Gesunde Ernährung und Bewegung" verabschiedet. Die Bundesregierung will damit bis 2020 das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Deutschen nachhaltig verbessern.

Gerade die Zunahme von übergewichtigen Kindern soll gestoppt werden. "Es ist erschreckend, dass 6000 Kinder jährlich neu an Altersdiabetes erkranken", sagte Seehofer. Dies werde sich verstärken und könne zu "Unsummen an Behandlungskosten" führen. Kinder bewegten sich zu wenig und säßen statistisch gesehen fünf Stunden pro Tag vor Computer, Fernseher oder Spielkonsole.

Da gerade in jungen Jahren die Grundlage der Ernährung gelegt werde, müsse ein gesünderer Umgang mit dem Essen ein "wichtiger und regelmäßiger Bestandteil" der Schule sein, sagte Seehofer weiter. Zudem solle der Schulsport "wieder einen höheren Stellenwert" im Unterricht bekommen.

Zitat: "Eine bayerische Schweinshaxe ist durchaus mal auch für das persönliche Wohlbefinden was Positives."
Quelle: Verbraucherminister Horst Seehofer,

Seehofer: Beratung statt Bevormundung

Es gehe der Bundesregierung nicht um neue Vorgaben und Vorschriften, versicherte Seehofer und unterstrich: "Beratung statt Bevormundung ist Generallinie des Projekts." Vorbeugung gegen Wohlstandskrankheiten müsse im Mittelpunkt stehen. Bewegung, die früher selbstverständlich war, müsse heute wieder erlernt werden.

Hintergrund: Fünf-Punkte-Plan gegen Fettleibigkeit

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) wollen mit einem Fünf-Punkte-Plan gegen Übergewicht in der deutschen Bevölkerung vorgehen. Lesen Sie hier einen Überblick der Ziele aus dem Eckpunktepapier:

Aufklärung und Vorsorge: Kinder sollen möglichst früh verstärkt über gesunde Ernährung und mehr Bewegung informiert werden. Dabei haben Eltern "eine besondere Verantwortung". Initiativen zur besseren Aufklärung soll es in Kindergärten und Schulen geben, aber auch in Unternehmen und der Bundeswehr.

Mehr Bewegung: Die Bundesregierung will mit Ländern, Kommunen und Sportverbänden Konzepte entwickeln, um die Bundesbürger zu mehr Sport und Bewegung im Alltag zu animieren.

Kantinenessen: Das Essen in Schulen, Firmenkantinen, Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen soll gesünder und ausgewogener werden. Dazu sind Qualitätsstandards in Planung.

Forschung: Der Einfluss von Ernährung und Bewegung auf "große Volkskrankheiten" wie Fettleibigkeit, Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rückenbeschwerden sind nach Ansicht der Regierung noch nicht genug erforscht.

Behörden: Das Zusammenspiel von Bund, Ländern und Kommunen bei der Förderung eines gesunden Lebensstils soll verbessert werden.

Was die Deutschen essen

Von der kargen Nachkriegskost über die Fresswelle in den fünfziger Jahren bis zu Ethnic Fast Food: Die Essgewohnheiten der Deutschen haben sich stark gewandelt in den vergangenen 50 Jahren. Nach wie vor aber essen wir zu viel, zu fett, zu süß, zu salzig. Zu viel fettes Fleisch, zu wenig Vollkorngetreide. Folge: Bei vielen Deutschen steht immer wieder "Diät" auf dem Speiseplan.

 

Endlich wieder genug: Essen in den Fünfzigern

Kartoffeln und Gemüse, Gemüse und Kartoffeln - wer in der Nachkriegszeit täglich beides auf dem Teller hatte, konnte sich glücklich schätzen. Wolfgang Protzner, Geschichtsdidaktiker an der Universität Bamberg, erinnert sich an diese Zeit: "Es ging darum, satt zu werden. Da hat man mit einer Kreativität sondergleichen aus allem etwas gemacht. Ich kann mich selbst erinnern, als meine Großmutter uns '46 den ersten Lebkuchen gebacken hat - aus Bucheckern."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Währungsreform nährt den Wohlstandsspeck

Mit der Währungsreform hat das Darben ein Ende, die Versorgungslage der Bevölkerung bessert sich drastisch. Das Wirtschaftswunder bringt die Fresswelle in Deutschland ins Rollen, man futterte sich Wohlstandsspeck an. Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhardt ist lebendes Beispiel für die neue Esslust. 1950 vertilgt jeder Bundesbürger im Durchschnitt 3.000 Kilokalorien am Tag. Sechs bis sieben Knödel zum sonntäglichen Braten sind nicht außergewöhnlich.


Die Italiener bringen Pizza und Pasta mit

 

Adenauer und Erhardt

Anfang der sechziger Jahre hatten die ersten Gastarbeiter ihre Essgewohnheiten nach Deutschland mitgebracht. Die erste Reisewelle rollt über die Alpen. Pizza und Spaghetti werden Lieblingsgerichte. Besonders die, die im Urlaub an der Adria waren, gehen auch zu Hause "zum Italiener". Mit dem Anstieg der Fernreisen steigt auch die Zahl der Spezialitätenrestaurants. Heute gibt es kaum eine Küche, die man nicht vor der Abreise zuerst daheim testen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hawaiitoasts und kaltes Buffet

Kaltes Buffet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Toast, Kochschinken, eine Scheibe Ananas aus der Dose, drüber eine Scheiblette: Ein typisches Partyessen der siebziger Jahre. Das Hendl aus dem Wienerwald und das kalte Partybuffet mit Mayonnaise-getränkten Salaten gehören ebenfalls als kulinarische Höhepunkte zu dieser Ära. Doch in den siebziger Jahren setzen sich später verschiedene Esstrends durch - vom Fast Food bis zur Nouvelle Cuisine.


Diät für dicke Deutsche

Die Völlerei der Vorjahre schlägt auf der Waage zu Buche: Jeder zweite Bundesbürger ist zu dick. Was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 1976 in ihrem Bericht bekannt gibt, gilt auch heute noch: Die Deutschen essen zu viel, zu fett, zu süß, zu salzig. Wir verspeisen zu viel fettes Fleisch und zu wenig ballast- und mineralstoffreiches Vollkorngetreide. Die magere Twiggy wird Mode-Ideal und die Frauen quälen sich mit Hollywood- und Atkins-Diät. 1980 hat bereits jeder vierte Erwachsene drei Diäten hinter sich. Die "Light-Produkte" werden Trend der achtziger Jahre.

Mehr Umweltbewusstsein

Nach der Gründung der "Grünen" wuchs Anfang der Achtziger bei den Deutschen das Umweltbewusstsein. Gesundes und Vegetarisches lag hoch im Kurs. Die Neunziger wiederum sind geprägt von großen Lebensmittelskandalen: BSE und Schweinepest tragen dazu bei, dass sich sieben Prozent der Deutschen fleischlos ernähren, so der Vegetarier-Bund. Auch Bio-Produkte werden mehr gekauft, ihr Marktanteil liegt aber dennoch bei nur knapp drei Prozent.

Essen als Event

Eckhart Witzigmann

Immer mehr Menschen essen außer Haus - und dann viel Ethnic Fast Food, also Tortillachips, Döner, Fallafel, Sushi. Die Spitzenküche nennt das "Fusion Food". Gourmetkoch Eckart Witzigmann über die aktuellen Küchentrends: "Die Leute trinken weniger, sind sportiver und natürlich hat sich auch die Küche ein bisschen geändert. Sie hat fusioniert mit anderen Küchen, sei es asiatisch, sei es italienisch. Man arbeitet viel mehr mit Gewürzen, macht die Küche leichter, bekömmlicher." Essen ist heute auch ein Teil der Unterhaltungsindustrie geworden - auf Lesungen werden die Lieblingsgerichte des Autors gereicht oder es gibt Kabarett oder Zauberkunst zum Gala-Dinner.