Aus für Diätlebensmittel
Ich bin zum Glück kein Diabetiker, habe aber gerade im Magazin meiner Krankenkasse den folgenden Artikel gelesen, den ich sehr interessant fand. Inzwischen merken wohl auch andere, dass einfach nur eine gesunde, ausgewogene Ernährung ohne spezielle Lebensmittel das beste für den Körper ist. Hier der Text:
Aus für Diätlebensmittel
„Zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus im Rahmen eines Diätplanes geeignet“ – so oder ähnlich steht es auf den Verpackungen von Lebensmitteln, die speziell für Diabetiker hergestellt werden.
Doch damit ist 2012 Schluss, denn im September 2010 wurde die „16. Verordnung zur Änderung der Diätverordnung“ beschlossen, die nach einer zweijährigen Übergangsfrist Diabetikerlebensmittel aus den Regalen des Handels verbannt. Solche Lebensmittel werden seit 1982 nach Regeln produziert, die in diesem Jahr mit der „6. Änderung zur Änderung der Diätverordnung“ für Diabetikerlebensmittel festgelegt worden waren und die bis heute gelten. „Damit folgte man dem damaligen Stand der Wissenschaft, demzufolge ein generelles Verbot von Zucker und der Einsatz von Zuckeraustauschstoffen wie Sorbit in der Ernährung von Diabetikern zu besseren Blutzuckerwerten führen würde“, blickt Susanne Koch, Diplom Ökotrophologin bei Unilever, auf diese Zeit zurück. Allerdings haben viele Diabetikerlebensmittel einen lange vernachlässigten Nachteil: Sie enthalten oft viel Fett und Kalorien. Das Wörtchen „Diät“ wurde dann oft als Freibrief für einen vermehrten Konsum genommen. Und das ist nicht gut für Diabetiker, denn gerade der vom Typ 2 – der so genannte „Altersdiabetiker“ – ist oft ohnehin schon übergewichtig. Zuckeraustauschstoffe haben meist fast genauso viele Kalorien wie normaler Zucker und werden zudem von vielen Menschen schlecht vertragen; da kann es schnell zu Blähungen oder Durchfall kommen. Der in Diabetikerlebensmitteln oft enthaltene Fruchtzucker wurde lange als eine unbedenkliche Alternative zum Haushaltszucker angesehen, da er zunächst ohne Insulinbeteiligung im Körper verstoffwechselt wird. Mittlerweile weiß man, dass er bei regelmäßigem Konsum eine Insulinresistenz bewirken und die Einlagerung von Körperfett begünstigen kann. Zudem sind Diabetikerlebensmittel bis zu drei Mal teurer als Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs. Experten warnen außerdem davor, dass die Aussage „Für Diabetiker geeignet“ dazu verführe, mehr von solchen Lebensmitteln zu essen, weil sie ausdrücklich „erlaubt seien“. Zum Beispiel von Diabetiker-Schokolade, die wie normale Schokolade viel Fett und zudem problematische Fruktose enthält, die bestimmte Blutfettwerte erhöht. Gesund ist anders. „Im Gegensatz zu den 1980er- und 1990er- Jahren hat sich das Verständnis von Diabetes heute geändert. Denn beim Diabetes wird der Blick nicht mehr nur auf den Zuckerstoffwechsel gerichtet, sondern auch auf den Fettstoffwechsel“, erläutert Susanne Koch. Wichtig ist es, im Sinne des Cholesterinspiegels auf die richtigen Fette zu setzen. Hier gilt es, vor allem die tierischen Fette zu reduzieren und im Gegenzug den Anteil der pflanzlichen Fette (z.B. Pflanzenöle) am Fettverzehr zu erhöhen. Deswegen sind Diabetikerlebensmittel, die nur auf den Zuckeraustausch ausgerichtet sind, längst nicht mehr zeitgemäß, im Kern nutzlos und damit überflüssig. Mit der „16. Verordnung zur Änderung der Diätverordnung“ hat die Politik letztlich das vollzogen, was Mediziner, Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler schon länger fordern: Das Verbot von speziellen Diabetikerlebensmitteln. „Diätetische Lebensmittel für Diabetiker können noch bis Oktober 2012 nach der alten Regelung in Verkehr gebracht werden, danach ist ein Abverkauf bis Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums möglich“, klärt Susanne Koch auf. Schätzungen gehen davon aus, dass sich von den rund sechs Millionen Diabetikern in Deutschland etwa die Hälfte mit Diabetikerlebensmitteln ernährt und damit ein Markt mit einem Umsatzvolumen von zirka 500 Millionen Euro pro Jahr besteht. Diese Gruppe wird ihre Ernähungsgewohnheiten umstellen müssen, wobei es sich dabei vor allem um ältere Diabetiker handeln dürfte. Jüngere Diabetiker sind eher nach den neuen Regeln geschult worden. Darin sieht Anke Marschall, die als Diätassistentin in vielen Schulungsveranstaltungen Kontakt mit Diabetikern hat und deren Essgewohnheiten kennt, ganz klar eine Chance: „Sicherlich werden viele Diabetiker erst einmal verunsichert sein, weil sie nicht genau wissen, was sie essen sollen. Dafür haben sie die Chance, von einer Ernährung mit Lebensmitteln wegzukommen, die absolut nicht mehr zeitgemäß ist.“ Denn Diabetiker brauchen keine besonderen Diabetikerlebensmittel. Ihre Ernährung unterscheidet sich nicht von den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Allgemeinbevölkerung. Wichtig ist eine ballaststoffreiche Ernährung, da durch die Ballaststoffe der Zuckeranstieg im Blut verlangsamt wird. Also zum Beispiel beim Frühstück anstelle eines Orangensaftes lieber eine Orange, da man hier die Ballaststoffe mitisst, die im Saft fehlen. Ein Vollkornbrot mit normaler Marmelade führt zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckers als der Verzehr eines Brötchens mit Diabetikermarmelade. Hülsenfrüchte sollten möglichst häufig auf dem Speiseplan stehen. Wichtig für eine gesunde Ernährung sind bei Diabetikern wie bei Nicht-Diabetikern die berühmten fünf „Hände“ Obst und Gemüse am Tag. Vollkornreis ist besser als geschälter Reis, Vollkornnudeln sind besser als weiße Nudeln, und Salzkartoffeln oder Pellkartoffeln sind dem Kartoffelbrei vorzuziehen. Diabetikerlebensmittel werden nicht schlagartig aus den Regalen verschwinden. Und auch wenn sie vielleicht ohne den Zusatz „Diät“ weiterproduziert und verkauft werden – es gibt für Diabetiker keinen Grund, sich ungesund zu ernähren.
Quelle: "Das Magazin", Kundenmagazin für Versicherte der Deutschen BKK, Ausgabe 1/2012, Seite 22f
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